Donnerstag, 24. März 2011
Frauenbewegung und Männergesundheit
Zum verinnerlichten Selbstbild der meisten Männer gehört es, möglichst lange für die Außenwelt "dynamisch und erfolgreich" zu wirken und gesundheitliche Probleme zu leugnen. Dies gilt auch für ältere und betagte Männer. Andrologische Erkrankungen unterliegen einem Wandel nicht nur in der Therapie, sondern auch ihrer übergeordneten sozialen und gesundheitswissenschaftlichen "Relevanz". Das Prostatakarzinom mit seinerslark steigenden Inzidenz, die erektile Dysfunktion, koronare Herzkrankheit, Miktionsstörungen, Depression und Adipositas des älteren Mannes spielen Schlüsselrollen und weisen zudem eine Reihe von pathophysiologischen Verbindungen und Gemeinsamkeiten auf. Zudem lassen sich die meisten dieser Erkrankungen durch eine geschlechtsspezifische Prävention verhindern oder hinauszögern. Prävention und Gesundheitsförderung und noch mehr eine geschlechtsspezifische Prävention für Männer dürfen in Deutschland als unterentwickelt angesehen werden. Emanzipation und Frauenbewegung haben zweifellos notwendige Veränderungen bei traditionellen Denkmustern bewirkt. Allerdings wurde nicht selten versucht, weibliche Eigenschaften und Denkweisen auf das Männerbild überzustülpen. Der neue Mann soll einfühlsam, empfindsam und friedliebend sein. Dennoch soll er auch in Gesellschaft, Beruf und Familie seinen "Mann" stehen, denn sonst verliert er an Attraktivität. Er soll quasi einen Teil seiner männlichen Eigenschaften und Verhaltensweisen zur richtigen Zeit ablegen und zu einer anderen Zeit betonen..DiesenSpagatkönnen die meisten Männer nicht leisten. Wir wissen, dass eine Reihe von männlichen Verhaltensmustern zumindest teilweise, neurobiologisch fixiert und durch Umwelteinflüsse vor allem in der Jugend modulierbar sind. Dazu gehören insbesondere gesundheitsschädigendes Ernährungs und Suchtverhalten. Die simple Forderung nach einer Änderung riskanter Verhaltensmuster alleine mit dem erhobenen Zeigefinger ist jedoch zum Scheitern verurteilt. Die einfache Grundthese, dass weibliche und männliche Denk- und Verhaltensmuster größtenteils Sozialisation prozessen und einer "vernünftigen" Einsicht unterliegen, ist leider falsch und wird tagtäglich widerlegt. Diese These leugnet die morphologisch und neurobiologisch gut dokumentierten geschlechtsspezifischen Unterschiede, die sich natürlich auch in geschlechtspezifischen Verhaltensmustern niederschlagen. Die große Mehrheit der Männer kann und wird daher die Inhalte eines neuen Männerbildes solange nicht akzeptieren, wie typisch männliche Verhaltensvariablen und männerspezifische Erkrankungen ignoriert bzw. tabuisiert werden. Die Frauenbewegung hat glücklicherweise dafür gesorgt, dass der Gesundheitszustand von Frauen Gegenstand der Forschung und der öffentlichen Diskussion wurde. Insbesondere in den letzten drei Jahrzehnten war die Frauenbewegung wichtiger Impulsgeber für gesellschaftliche und gesundheitsspezifische Wandlungsprozesse.Auch in gesundheitsbezogenen Fragestellungen konnten Frauen profitieren. Dies belegen auf der epidemiologischen Ebene der geschlechtsspezifische Lebenserwartungsunterschied von ca. 6,5 Jahren und auf der Individualebene die relativ hohe Akzeptanz von Vorsorge und Prävention beim weiblichen Geschlecht. Beispiele sind das Mammographiescreening oder die fast dreifach höhere Vorsorgeakzeptanz (37 % aller Frauen versus 140/0 aller Männer).ln diesem Zusammenhang ist kennzeichnend, dass es in einigen Bundesländern und auch auf Bundesebene zwar einen Frauengesundheitsbericht, jedoch keinen Männergesundheitsbericht gibt. Besonders bemerkenswert ist, dass auf politischer Ebene die Notwendigkeit einer männerspezifischen Betrachtung gesundheitsbezogener Zusammenhänge gerade von männlichen Entscheidungsträgern als nicht wichtig erachtet wird. Somit existiert eine zur Frauenbewegung analoge Männerbewegung, die ein Bewusstsein über die verschiedenen spezifischen männlichen Erkrankungen und Rollenmuster und deren Ursachen etabliert, bislang nicht. Die erektile Dysfunktion erlaubt den Einstieg in eine solche Diskussion, da es sich zwar um ein spezifisches Männerproblem, jedoch auch um einen Frühmarker für generelle männliche Gesundheitsprobleme handelt. Die Beschäftigung mit dem Thema "Männergesundheit" wäre nicht nur ein wichtiger Beitrag zur Gleichberechtigung, sondern würde mit Sicherheit Erkenntnisse in der medizinischen und soziologischen Grundlagenforschung hervorbringen, die beiden Geschlechtern dienen.
Mittwoch, 23. März 2011
Prävention und Männergesundheit
Das Zusammenspiel genetischer und umweltbezogener Risikofaktoren sowie der Sozialisation ist außerordentlich komplex und kaum geklärt. Die geschlechtsspezifischen Betrachtungen von Risikoverhalten und Lebensqualität legen nahe, dass ein gesundheitsbezogener Lebensstil, Aufklärung sowie präventive Interventionen vor allem bei männlichen Individuen vor der Pubertät einsetzen müssen, um für die Mortalität und Morbidität im Laufe des Lebens wirksam zu werden. Die Beschäftigung mit geschlechtsspezifischem Risikoverhalten bzw. Lebensstil und den daraus resultierenden Konsequenzen für die präventive und kurative Medizin stellt immer noch wissenschaftliches Neuland dar. Klar ist, dass Prävention bei Erwachsenen weniger Einfluss auf die Lebenserwartung aufweist, sondern zu einer gewünschten Kompression der Morbidität führt. Diese Morbiditätskompression wird .für diel ndustrienationen vordringliches gesundheitspolitisches Ziel sein, um die ausufernden Kosten in den Griff zu bekommen. Interessant ist, dass diese Entwicklung der Körperbezogenheit des "alternden Mannes" vom weiblichen Geschlecht nicht nur positiv beurteilt wird. Während der gepflegte körperbewusste Mann gern gesehen wird, sind die Ansichten bezüglich des Erhalts der Potenz im höheren Alter eher geteilt. So erhielten wir im Rahmen unserer zahlreichen Studien wütende Anrufe von Ehefrauen über die Nutzlosigkeit von solchen Untersuchungen. Auf der anderen Seite gab es auch Zustimmung von Frauen, dass diese Tabuthemen endlich angegangen werden. Insgesamt war erkennbar, dass zwar die Bedeutung der Lebensqualität im Alter hoch eingeschätzt, jedoch die Verquickung von Sexualität und Lebensqualität im Alter gerne geleugnet wird. Dabei sind die gesundheitsprotektiven und präventiven Wirkungen einer erfüllten Sexualität auch im Alter nicht zu leugnen und ca. 60 %der Männer über 65 Jahre besitzen ein sexuelles Verlangen bzw. sind sexuell aktiv. Dennoch stehen viele Menschen dem Erhalt der körperlich bedingten sexuellen Funktionen, die zur Durchführung eines Geschlechtsverkehrs bei Mann und Frau notwendig sind, skeptisch gegenüber. Durch die zukünftigen Möglichkeiten, die körperliche sexuelle Funktionsfähigkeit bei beiden Geschlechtern wirksam medikamentös erhalten zu können, wird der "Sexualität im Alter" ein neuer Stellenwert zukommen. Auch hier ist die Enttabuisierung der erektilen Dysfunktion in der Gesellschaft von entscheidender Bedeutung.
Dienstag, 22. März 2011
Soziales Immunsystem und geschlechtsspezifische lebensqualität
Soziale Netzwerke haben die Funktion individuelle Belastungen der Umwelt abzufedern. In Analogie wird hier auch vom sozialen immunsystem gesprochen. So ist eindeutig belegt, dass eine fehlende soziale Unterstützung mit einer erhöhten Mortalität korreliert. Die sozialen Netzwerke von Männern sind in der Regel berufsorientiert. Dies bedeutet, dass hier eine höhere Anfälligkeit des sozialen Netzwerkes bei Arbeitsplatzverlust oder Erkrankung besteht. So muss die Bedeutung von sozialen Netzwerken bei älteren Männern für die Morbidität und Mortalität sehr hoch angesetzt werden. Hinweisend hierfür ist die ansteigende Morbidität nach Arbeitsplatzverlust, aber auch nach Beginn des Ruhestandes. Typisch männlich ist die Fixierung auf eine einzelne Bezugsperson - in der Regel die Ehefrau. In die gleiche Richtung deuten Untersuchungen, die zeigen, dass die Ehe einen hohen gesundheitsprotektiven Wert für Männer aufweist. So kommt es nach einem Verlust der Ehefrau zu einem doppelt so hohen Anstieg der Mortalität bei Männern als bei Frauen nach dem Verlust ihres Ehemannes. Emotional geprägte langjährige Beziehungen über die Ehe hinaus sind bei Männern eher selten anzutreffen. Daraus resultiert die These, dass berufsunabhängige soziale Aktivitäten, die in der Regel vereins und sportorientiert sind, besonders für Männer gesundheitsprotektiv sind und gefördert werden sollen. Eine Schwäche der obigen Betrachtungen zur geschlechtsspezifischen Mortalität liegt in der Betonung der Lebenserwartung. Diese Gewichtung ist kritisch zu hinterfragen. So muss eine höhere Lebenserwartung bei Frauen keinesfalls mit einer höheren Lebensqualität einhergehen. Es ist zudem wahrscheinlich, dass Lebensqualität ausgeprägten geschlechtsspezifischen Einflüssen unterworfen ist, die je nach Lebensalter oder phase variieren. Einige Untersuchungen deuten darauf hin, dass aktivitätsorientierte männliche Rollenmuster zu einer höheren Zufriedenheit und zu einer subjektiv höheren Lebensqualität führen. Der Preis für die bessere Lebensqualität der Männer wäre dannsalopp formuliert eine geringere Lebenserwartung. Unterstützt wird diese These dadurch, dass bei vielen Männern die bewusste Einstellung "Lieber kurz und gut als länger und schlechter" nachweisbar ist. So sind einige Risikoverhaltensweisen, die einen unmittelbar erlebten Lebensqualitätsgewinn durch Erfolg und Ansehen (z.B. Risikosportarten, Anabolikaabusus ete) ermöglichen, teilweise zu erklären. In diesem Zusammenhang ist wesentlich, dass in fast allen bekannten Gesellschaften es einen Zusammenhang zwischen männlichem Habitus und attraktiver Männlichkeit gibt. Mit dieser Ausrichtung auf sozialen Status und Erfolg hängt zusammen, dass Männer dazu neigen, ihren Körper als Werkzeug zum Erreichen eines Ziel zu instrumentalisieren. Der Körper muss funktionieren im Beruf, wie im Sport oder in der Sexualität. Daraus erklärt sich, dass rücksichtsloses Verhalten gegenüber dem eigenen Körper bei Männern an der Tagesordnung steht und für Erkrankungen eine mechanistische "Ersatzteilmentalität" vorherrscht. Der entscheidende Unterschied zu Frauen liegt somit darin, dass Männer eine Außensicht zu ihrem Körper aufweisen und Überlastungssignale nicht oder verspätet wahrnehmen, sofern es gilt, ein definiertes Ziel (z.B. Karriere, soziale Macht) zu erreichen. Doch liegen darin auch Chancen, männliche risikoreiche Verhaltensmuster oder Lifestyle zu ändern. Es ist wenig hilfreich, stets auf die Defizite im männlichen Gesundheitsverhalten hinzuweisen und weibliche Verhaltensmuster als "gesundheitsprotektiv" zu propagieren. Entscheidend ist es, gesellschafltiche Wandlungsprozesse einzuleiten, die bewirken, dass Gesundheit und gesundheitsbewusstes Verhalten bei Männern mit sozialem Status und Karriere positiv verknüpft werden. Dann wird sich männliches Verhalten von alleine ohne den erhobenen Zeigefinger ändern. Männlichkeit würde sich dann u.a. in einem höheren Gesundheitsbewusstsein äußern, um z.B. das Ziel "sozialer Aufstieg und Anerkennung" zu erreichen. Die ersten Ansätze lassen sich hier möglicherweise in der Generation der gutsituierten 30-50jährigen Männer erkennen (Fitnesswelle). Der erektilen Dysfunktion kommt eine Schlüsselrolle zu, da der Erhalt oder die Wiederherstellung der "Potenz" für Männer ein Wert an sich und wesentlich mit dem Selbstwertgefühl verknüpft ist, und somit quasi durch die Hintertür gesundheitprotektives Verhalten induziert werden kann.
Montag, 21. März 2011
Männlicher Lebensstil und Genetik
Es ist gut belegt, dass männliche Verhaltensweisen häufig riskant und gesundheitsschädigend sind. Ernährungs- und Suchtverhalten sind nur zwei Beispiele. Esgibt epidemiologisch eindeutige Belege für männliches Risikoverhalten. So sind Männer hinsichtlich des Body mass Index als Bezugsgröße in fast allen Altersklassen adipöser. "Frauen reden über Diäten - Männer sind dick."
Die alleinige verhaltensbezogene Argumentation für die höhere Mortalität von 50-70 jährigen Männern greift zu kurz, auch wenn falsches Ess- und Bewegungsverhalten wichtige Faktoren sind. So kann der verhaltensbezogene Ansatz nicht die höhere männliche Sterblichkeit bei männlichen Kleinkindern und die späte Angleichung der geschlechtsspezifischen Sterblichkeit bei den Hochbetagten erklären. Es stellt sich die Frage, in welchem Ausmaß genetisch fixierte Faktoren für die geschlechtsspezifische Mortalität verantwortlich sind? Den genetischen Aspekten kommt für die geschlechts spezifischen Morbiditäts- und Mortalitätsunterschiede sicher eine entscheidende Bedeutung zu. Ein auffälliger geschlechtsspezifischer Unterschied ist die hormonelle Situation, die letztlich genetisch assoziiert ist. Einige Untersuchungen machen einen Einfluss der geschlechts spezifischen Hormonsituation für Risikoverhalten und bestimmte krankheitsspezifische Mortalitäten wahrscheinlich. Gutes Beispiel stellt der Straßenverkehr dar. Hier dominieren die männlichen Verkehrstoten und Unfallverursacher. Frauen sind somit eindeutig
die besseren Autofahrer. Die zum Teil verbittert geführte Kontroverse, ob primär genetische oder primär verhaltensspezifische bzw. soziologische Einflüsse für die geschlechtsspezifischen Morbiditäts- und Mortalitätsunterschiede maßgeblich sind, stellt sich nach dem gegenwärtigen Wissenstand nicht mehr. So ist weitgehend unstrittig, dass die genetisch definierten geschlechtsspezifischen Unterschiede zum wesentlichen Teil hormonell assoziiert sind und sich morphologisch in geschlechtsspezifischen Unterschieden des Gehirns und Herz-Kreislaufsystems manifestieren (z.B. räumliches Denken, sprachliche Assoziation, Endothelfunktion). Daraus resultieren geschlechtsspezifische Verhaltensweisen und Vulnerabilitäten, die indirekt Erkrankungen und vor allem Risikoverhalten (z.B. männliches Imponiergehabe, Raumgreifungstendenz) und bestimmte soziologische Muster (patriarchale Gesellschaftsstruktur) fördern. Diese Hypothese würde erklären, warum eine Änderung von geschlecht sspezifischen Risiko und Rollenverhalten so schwierig ist, da es quasi teilweise zum biologisch männlichen Programm gehört. Computergestützte Simulations modelle für Alterungsprozesse unterstützen diese These und deuten an, dass hormonelle Einflüsse in der Gruppe der jungen männlichen Erwachsenen entscheidend für die verhaltensbezogene Mortalität (z.B. Straßenverkehr, Gewaltdelikte), aber auch für die verhaltensbezogene Altersmorbidität (Herz-Kreislauferkrankungen, Adipositas) sind. Dies bedeutet keineswegs, dass Männer ihren Genen ausgeliefert sind. Ziel muss es sein, die geschlechts spezifische genetische Basisdurch eine adäquate Sozialisation in Richtung Gesundheitsprotektion zu beeinflussen. Dies wird durch Untersuchungen belegt, die zeigen, dass geschlechtsspezifische gesundheitliche Primärprävention vor allem in der Altersgruppe der Jugendlichen und Kinder erfolgen muss, wenn sie epidemiologisch wirksam werden soll.
Freitag, 18. März 2011
Männergesundheit
Die großen Fortschritte im Bereich der Diagnostik und Grundlagenforschung in den letzten 10Jahren zur erektilen Dysfunktion zeigen exemplarisch an einem "kleinem Gesundheitsproblem" die Notwendigkeit einer interdisziplinären geschlechtsspezifischen Forschung. Dabei hat sich ein Wandel der Betrachtungsweise von einer fast ausschließlich psychogenen zu einer organisch dominierten multifaktoriellen Ätiologie vollzogen. Wir sind mitten in eine neuen Ära in der pharmako medizintechnischen Entwicklung. Die erektile Dysfunktion ist nur ein Paradebeispiel. Immer mehr wird es möglich, degenerative Alterungsprozesse, die früher als selbstverständlich hingenommen wurden, medikamentös oder apparativtechnisch zu beeinflussen. Neben der erektilen Dysfunktion lassen sich auch die androgenetische Alopezie, Infertilität, Muskelabbau, Hautalterung oder der altersassoziierter Hypogonadismus als Beispiele nennen. In der Gesellschaft besteht trotz gegenteiliger Lippenbekenntnisse ein Bedürfnis den Alterungsprozess zu leugnen und soweit möglich zu kaschieren. Dies gilt auch, wenn keine eigentlichen Beschwerden oder definiertes Krankheitsbild bestehen. Die Pharmaindustrie und eine Reihe von medizinischen Dienstleistern haben sich in einer alternden Gesellschaft auf diese Bedürfnisse eingestellt und Begriffe wie "lifestyle und wellness" geprägt. Für heutige 60-70jährige Männer ist soziale Attraktivität zu Recht ein Element von Lebensqualität, wobei eine gesunde Sexualität selbstverständlich mit dazugehört. Kennzeichnend für die Industrienationen sind eine gestiegene Lebenserwartung, aber auch eine Erhöhung der Altersmorbidität. Dabei ist interessant,dass erhebliche geschlechtsspezifische Unterschiedeexistieren. Der aktuelle Lebenserwartungsunterschied zwischen Männern und Frauen nach den amtlichen Statistiken des Jahres 2004 beträgt ca. 6,5 Jahre. Vor allem in den Bereichen der kardiovaskulären Mortalität, der Onkologie des späten Erwachsenenalters und der verhaltensspezifischen Mortalität stellen Männer das benachteiligte Geschlecht dar. Ein geschlechtsspezifischer Lebenserwartungsunterschied zu Ungunsten der Männer lässt sich für fast alle Nationen nachweisen und ist besonders bei den westlichen Industrienationen bei hoher Gesamtlebenserwartung ausgeprägt. Interessant ist die Tatsache, dass, obwohl die geschlechtsspezifischen Lebenserwartungsunterschiede sehr auffällig und seit langem bekannt sind, wenig Anstrengungen unternommen wurden, diese Unterschiede interdisziplinär wissenschaftlich zu untersuchen.Die bisherigen Untersuchungen beschränken sich zumeist auf einzelne Krankheitsbilder bzw. Altersgruppen. Entscheidend ist, dass die geschlechtsspezifische Mortalitäten stark mit dem Alter variieren. Dies gilt insbesondere für die AItersgruppen der unter 50jährigen. So sind Männer für verhaltensbezogene Mortalitäten (z.B. Straßenverkehr) in der Altersklasse der jungen Erwachsenen besonders vulnerabel. Im reifen Erwachsenenalter nach dem 50. Lebensjahr dominieren Herzkreislauferkrankungen für Mortalitätsbetrachtungen Ab dem 75. Lebensjahr gleichen sich die Mortalitätsziffern von Männern und Frauen für die meisten Erkrankungen an, wobei sich für die höheren Altersklassen ein deutlicher "Frauenüberschuss" manifestiert hat. Es existieren eine Reihe von Hinweisen, dass die Basis des geschlechtsspezifischen Lebenserwartungsunterschiedes in der Jugend, d.h. deutlich vor dem 30. Lebensjahr gelegt wird. Dies unterstreicht die Hypothese eines hohen genetischen oder genetisch assoziierten Einflusses auf die Lebenserwartung bzw. Mortalität, der durch verhaltens- und umweltbezogene Einflüsse modifiziert wird.
Donnerstag, 17. März 2011
Chemoprävention nach Beckenchirurgie
Die Möglichkeit einer Prävention von Erektionsstörungen wild besonders wichtig nach operativen Eingriffen im kleinen Becken. Hier ist insbesondere die radikale Prostatektomie zu nennen, die trotz operativen Nerverhalt der neurovaskulären Bündel ("nerve sparing") mit einer ca. 50-60 % postoperativen erektilen Dysfunktion einhergeht.Ähnliches gilt für Rektumresektionen. Der Schädigungsmechanismus der erektilen Funktion beruht zum einem auf der immer vorhandenen direkten Schädigung der nervalen Strukturen und auf der in der Regel anhaltende sexuelle Inaktivität für mehrere Monate nach einem größeren Beckeneingriff.Damit wäre in Hinblick auf die erektile Funktion neben einem möglichst nervschonenden operativen Vorgehen auch eine möglichst frühe Stimulation des CC wichtig.Die neueren Empfehlungen betonen daher die Bedeutung einer regelmäßigen Stimulation der glattmuskulären Elemente im Schwellkörper möglichst frühzeitig nach dem operativen Eingriff.Konkret bedeutet dies, dass entweder mit der regelmäßigen Einnahme von niedrig dosierten PDE5-lnhibitoren oder einer regelmäßigen intracavernösen Prostaglandininjektion (3x wöchentlich) Oxygenierungsimpulse gesetzt werden, um die glattmuskuläre Funktion des CC möglichst zu erhalten . Die abendliche Einnahme eines PDE5-lnhibitors (ca. 25-50 % der Maximaldosierung) soll die nächtlichen physiologischen Tumeszenzen verstärken und einer Inaktivitätsfibrosierung vorbeugen.Das elegante Grundkonzept baut dahei auf den nächtlichen Spontanerektionen auf, die quasi durch den PDE5-lnhibitor verstärkt werden. Zur Zeit finden mehrere multizentrische placebokontrollierte Studien statt, die die Hypothese einer Prävention der erektilen Dysfunktion nach "nerve sparing" Prostatektomie an größeren Patientenkollektiven überprüfen. Die Ergebnisse sollten im Jahre 2006 zur Verfügung stehen.In einer kleineren Studie konnte von Padma-Nathan et al. bereits eine erste Bestätigung diese Hypothese erfolgen. Nach 9-monatiger Therapie nach radikaler Prostatektomie zeigten 27 % der Verumgruppe bei regelmäßiger PDE5-lnhibitoren Einnahme"(511 oder lOO mg Sildenafil) zufriedensteIlende Spontanerektionen im Vergleich von nur 4 %aus der Placebogruppe. Erste Studien zeigen zudem einen positiven Effekt einer regelmäßigen PDE5-Inhibitoreneinnahme auf andere Gefäßgebiete In der klinischen Praxis ist die Frage der Kostenerstattung problematisch, da PDE5-Inhibitoren von den Kostenträgern zur Zeit unabhängig von der Grunderkrankung oder Genese der Erektionsstörung nicht übernommen werden und eine regelmäßige "präventive" Einnahme über mehrere Monate entsprechend teuer ist. Nach eigener Erfahrung können die meisten Patienten aus finanziellen Gründen einer solchen Empfehlung längerfristig nicht folgen.
Mittwoch, 16. März 2011
Gezieltes Schwellkörpertraining
Körperliches Training hat für die Primär- und Sekundärprävention bei der KHK einen hohen Stellenwert.Die Sauerstoffversorgung des Herzmuskels ist dabei von besonderer Bedeutung. Dies gilt für den penilen Schwellkörper in identischer Weise.Eine gute Oxygenierung des Penisschwellkörpers wird einerseits bei sexueller Erregung und andererseits während der REM-Phasen des Schlafes erreicht. Männer haben drei bis vier erektile Episoden während der Nacht und erreichen eine gute Oxygenierung der Corpora cavernosa für 1,5bis 3 Stunden. Diese Erektionsphasen nehmen im Laufe des Alters an Frequenz und Dauer ab. Während einer Tumeszenz oder sexuellen Aktivität steigt die arterielle penile Durchblutung und der pO2 von 25-40 mmHg auf 90-100 mmHg. Hierbei ist entscheidend, dass bei niedrigem pO2 das Wachstum von glattmuskulären Elementen im CC gehemmt und die Synthese von Kollagen und Bindegewebe induziert wird. Bei hohem pO2 kommt es zu einer Zunahme der eNOS-Aktivität und Hemmung der Kollagen- und Bindegewebssynthese. Dies erklärt u.a. die Abnahme der penilen Gewebscompliance und die Verkürzung des Penis durch die zunehmende Fibrosierung im Laufe des Alterungsprozesses.Durch spezifisches körperliches Intervalltraining,wie beispielsweise am Liegefahrrad oder beim Training an der Beinpresse konnte gezeigt werden,dass ein sogenanntes "Steal·Phänomen" an Penis induziert wird, was nach der körperlichen Belastung zu einer kompensatorischen Durchblutungssteigerung und Hyperoxygenierung des CC führt. Sommer et al. konnten durch mehrere kontrollierte Studien belegen, dass ein gezieltes Training der Beckenbodenmuskulatur über einen längeren Zeitraum (VigorRobic·) eine Verbesserung der Erektionsfähigkeit bewirkt. Neben der Erektionsfähigkeit,die über Fragebögen (IJEF) evaluiert wurde, zeigte sich gut messbar eine Steigerung des systolischen Spitzen flusses in den tiefen penilen Arterien durch ein gezieltes Training.Weiterhin konnte ein Training der teilweise willkürlich innervierten ischiokavernösen Muskulatur,die den Schwellkörper umhüllt, die Venookklusion während der Erektion verstärken und somit die Rigidität erhöhen.Die Abnahme der Rigidität stellt in der Regel das vom Patienten am frühesten wahrgenommene Symptom einer beginnenden Erektionsstörung dar. Damit werden durch ein gezieltes körperliches Training nicht nur der arterielle Zufluss, sondern auch die Drosselung des venösen Abflusses erhöht,was bedeutet, dass beide wesentlichen pathophysiologischen Ursachen einer Erektionsstörung beeinflusst werden. Ein "Erektionstraining" war dabei sowohl bei bereits vorhandener Erektionsschwäche in Hinblick auf eine Heilung als auch präventiv, d.h. bei noch ungestörter Erektionsfähigkeit, aber vorhandenen Risikofaktoren, effektiv. Die Trainingsdauern mit der Durchführung von regelmäßigen Übungen betrugen in den Studien jedoch mindestens 6-12 Monate, was eine erhebliche Compliance der Patienten voraussetzt und in der klinischen Praxis ein Problem darstellt.Damit hängt der Erhalt der Erektionsfähigkeit und die Prävention einer erektilen Dysfunktion u.a. von der Häufigkeit der erektilen Episoden selbst ab. Eine Tatsache, die auch in anderen Organsystemen bekannt ist (Herz, Lunge, Gehirn).
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